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Impressionen aus Hirschberg: Mai, Juni 2011   Leave a comment

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Veröffentlicht 18/06/2011 von krkonos in Geschichte Hirschbergs, Touristik

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Polnisches Trauma, Frau Steinbach   2 comments

Noch nie wurde Frau Erika Steinbach so oft in der deutschen Presse erwähnt, wie in letzter Zeit – und das pardoxerweise dank ihren größten Gegnern: Der polnischen Regierung und der polnischen Politikern. Erreicht haben die Polen zweilerlei – einerseits wurde ihre Mitgliedschaft im Stiftungsrat des Zentrums gegen Vertreibungen VORLÄUFIG verhindert, anderseits ist dank der polnischen Kampagne ihre Wiederwahl in den Bundestag so gut, wie sicher.

Zu diesem Thema auch ein Beitrag aus der „Frankfurter Rundschau“ von Stephan Hebel:

Neues Spiel gegen Polen

Gott, ist das nobel! Erika Steinbach geht den Opfergang. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen verzichtet auf einen Platz im Stiftungsrat des Zentrums gegen Vertreibungen. Und Ronald Pofalla, der CDU-Generalsekretär und Wahrer der politischen Moral, spricht es aus: „Mit ihrem Verzicht auf einen Sitz im Stiftungsrat zeigt sie menschliche Größe und politische Weitsicht. Sie stellt die Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen über ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen.“
Und diese Heilige soll dieselbe Person sein wie die „Bestie in blond“? Das soll die „Revisionistin“ sein, wie sie in Polen genannt wird? Die Unbelehrbare, die die deutsche Kriegsschuld ignoriert, die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ablehnte und den östlichen Nachbarn am liebsten noch Entschädigung abzwingen würde?
Ach was, Freund und Feind der Vertriebenen-Chefin liegen daneben. Einerseits muss Pokerface Pofalla wahrscheinlich im Stillen selber grinsen über seine heiligsprechenden Worte. Sie sind in Wahrheit ein Teil des Deals – eine Überhöhung zum Ausgleich für die politisch erzwungene (und zwingende) Demütigung. Andererseits greift auch der Revisionismus-Vorwurf zum Teil daneben. Nicht, dass sich Wladyslaw Bartoszewski und viele seiner polnischen Landsleute zu Unrecht gegen Erika Steinbach gewehrt hätten. Sie haben es zu Recht getan. Aber sie greifen in ihren Begründungen – Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze, Entschädigungsforderungen – zu kurz. Sie übersehen die eigentliche Gefahr, die von Steinbach und ihren Gesinnungsfreunden ausgeht.
Es stimmt, dass Erika Steinbach nach der deutschen Vereinigung die Oder-Neiße-Grenze nicht anerkennen wollte. Es stimmt, dass sie noch vor zehn Jahren offen nach Entschädigungen für die Vertriebenen rief. Aber es stimmt auch, dass sie inzwischen gelernt hat. Sie hat gelernt, ihr Geschäft so zu betreiben, dass man ihr klassischen Revisionismus nicht mehr vorwerfen kann. Ob sie die deutsche Erstverantwortung für Krieg und Vertreibung aus innerer Überzeugung anerkennt oder nicht – sie tut es jedenfalls. Das ist gut. Schlimm ist: Die Melodie mit den antipolnischen Untertönen spielt sie weiter, nur mit anderen Instrumenten. Sie bedient die antipolnischen Reflexe ihres rechtskonservativen Publikums, ohne sich beim Leugnen deutscher Verantwortung erwischen zu lassen.
Wie macht sie das? Wie macht es der rechte Flügel der Union, der zwar durch den Rückzug vor den Kopf gestoßen, aber von Pofalla und Co. so schön getröstet wird? Sie machen es mit einem simplen Trick. Seht her, so die Botschaft, wir leugnen nichts, wir erkennen historische Schuld und Verantwortung heldenhaft an. Dafür verlangen wir von euch, liebe Polen, eine kleine Gegenleistung: Haltet bitte den Mund. Lasst uns in Ruhe. Lobt und preist uns, was auch immer wir in der Gegenwart tun. Sonst, liebe Polen, müssen wir der Welt leider mitteilen, dass ihr die Bösen seid. Dass euer Deutschland-Beauftragter Bartoszewski mit seiner „vipernschnellen Zunge“ (FAZ) ein bisschen viel „dazwischenfunkt“ (noch mal FAZ) und mit seinen „Entgleisungen absichtlich deutsche Politiker beleidigt“ (Hessens CDU-Fraktionschef Christean Wagner). Wir Deutschen beanspruchen nach all den schönen Schuldbekenntnissen jetzt wenigstens die moralische Feldüberlegenheit.
Wer sich derart einem versöhnungsbereiten, aber bis heute traumatisierten Volk präsentiert, hat nichts verstanden. Die Lippenbekenntnisse zur historischen Wahrheit sind nichts wert, wenn sie sich mit der sehr gegenwärtigen Weigerung verbinden, sich in die Motive und Probleme der polnischen Seite hineinzuversetzen. Hat ein Herr Pofalla zufällig mal gehört, wie sich der ehemalige Nazi-Verfolgte Bartoszewski im eigenen Land gegen heftigste Widerstände für die Versöhnung mit Deutschland und die Anerkennung polnischer Schuld an der Vertreibung einsetzte? Was hat Pofalla, zum Beispiel gegen die Widerstände von Vertriebenen, Entsprechendes in Deutschland vorzuweisen? Hat er Bartoszewski für dessen „menschliche Größe und politische Weitsicht“ gelobt? Nein, er trampelt, indem er Steinbach heiligspricht, auf den Gefühlen der Nachbarn herum.
So sieht er aus, der neue Revisionismus, der das Leugnen oder Relativieren deutscher Verbrechen gar nicht mehr braucht. Er ist ungewohnt, und gegen ihn sich zu verteidigen ist besonders schwer. Und deshalb hat niemand in Polen nach Steinbachs Rückzug Grund zur Erleichterung.

Veröffentlicht 04/03/2009 von krkonos in Deutsche und Polen, Politik

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