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…UND GEBLIEBEN SIND NUR BILDER   Leave a comment

In dem etwas abseits der Stadtmitte gelegenem Museum – dem Carl-und-Gerhart-Hauptmann-Haus in Mittelschreiberhau – wird am nächsten Montag, den 14, Dezember die größte in den letzten Jahren Malerei-Ausstellung eröffnet, mit bemerkenswerten Werken von Künstlern, die an eine entfernte Zeit erinnern: die Zeit der polnischen Juden vor 1939.

Es werden Gemälde von Künstlern vorgestellt, deren Namen aus den kunstgeschichtlichen Büchern gut bekannt sind: Jankiel Adler, Jehuda Epstein, Sacha Finkelstein, Maurycy Gottlieb, Max Hageman, Natan Spiegel, Roman Kramsztyk,  Henryk Langerman,  Izrael Lejzerowicz, Abraham Neuman…

Die Ausstellung umfasst 120 Bilder aus privaten Sammlungen und der Kollektion des Muzeum Nadwiślańskie in Kazimierz Dolny.

…UND GEBLIEBEN SIND NUR BILDER
Die Malerei der polnischen Juden vor 1939

14. Dezember 2009 – 28. März 2010

C. und. G. Hauptmann Haus
 

Carl-und-Gerhart-Hauptmann-Haus

ul. 11 Listopada 23 – Szklarska Poręba Średnia (Mittelschreiberhau)

Einladung

A. Hohermann

J. Adler

J. Epstein

N. Szpigel

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Veröffentlicht 07/12/2009 von krkonos in Ausstellung

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Unikaten im bunten Museum   1 comment

Das Riesengebirgsmuseum eröffnete gestern die bis zum 31. Januar dauernde Ausstellung „Unikaten – Polnisches Glas des 21. Jh.“. Halb Hirschberg war in der Vernissage anwesend – von dem MdP Marcin Zawiła über Vertreter der Niederschlesischen Verwaltung bis zum Oberbürgermeister Obrebalski (den ich ‚Obrebama‘ zu nennen pflege). Zahlreiche Glaskünstler wohnten der Eröffnung bei und ihre Werke nahmen einen Ehrenplatz im Erdgeschoss des Museumsgebäude ein. Da am selben Tag auch das sog. „Festival des Lichtes“ begann, wurden die Exponate, aber auch das Gebäude phantasievoll beleuchtet.

Über der Ausstellung mehr auf der Internet-Seite des Museums (leider nur in polnisch).

Beleuchtete Fassade des Museums

Beleuchtete Fassade des Museums

Werk1

Werk2

Mariusz Łabiński

Werk3

Veröffentlicht 06/12/2009 von krkonos in Riesengebirge

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Tag des offenen Denkmals im Hirschberger Tal   Leave a comment

Der Tag des offenen Denkmals ist Teil der „European Heritage Days„, die unter der Schirmherrschaft des Europarats stehen und mittlerweile in allen europäischen Ländern im September stattfinden. 2009 sind es der 12./13. und 19./20. September. Im Hirschberger Tal öffnen am diesen Tag so gut, wie alle kulturelle und architektonische Objekte ihre Türen. Ein detailliertes Programm der Veranstaltungen (leider nur in polnisch) ist HIER im PDF-Format zu finden. An dem Tag kann man den Restauratoren über die Schulter schauen, archäologische Ausgrabungsstätten erkunden, die sonst verschlossenen Kellergewölbe einer Burg (Schwarzbach) oder des Klosters Lubiąż (Leubus) bestaunen… Vielerorts warten Sonderführungen, Schauvorführungen und bunte Rahmenprogramme auf die Besucher.

Aus der breiten Auswahl der Veranstaltungen hab ich mir eine heraus gepickt – die auf dem Bolzenschloss oberhalb Groß-Jannowitz (Landeshuter Kamm). Am 12.09., am Samstag, geht dort „die Post ab“:

Seid willkommen und überzeugt Euch, wie der Alltag im Mittelalter ausgesehen hat! Nehmt an den alltäglichen Abläufen teil, feiert mit uns, wie es in den alten Zeiten war! An diesem Tag wird Euch die mittelalterliche Gruppe Cornu Cervii aus Seiffershau (Kopaniec) unterhalten, auch eine Abteilung des Hussiten-Fußvolkes ist dabei. Im Schloss könnt ihr die mittelalterlichen (allerdings frisch zubereiteten) Speisen probieren und einen traditionellen, kräftigen Schluck zu sich nehmen. Verschiedene Spiele und Wettbewerbe begleiten Euch durch den ganzen Tag, auch Tanz und Gesang sind angesagt!

Vorgeführt werden auch die alten Handwerke und am Abend gibt es ein riesiges Lagerfeuer – und die Darstellung eines Hussiteneinfalls auf die Burg. Natürlich ist der Eintritt frei, doch während der Veranstaltung werden Spenden gesammelt. Sie sollen bei der Erhaltung und teilweiser Restaurierung der Burg helfen.

Soviel der Veranstalter (Verein „Die Einwohner für die Gemeinde“). Anbei noch ein paar Fotos aus dem Bolzenschloss (Frühsommer 2009).


Ausgewählte Internetseiten zum Thema:
Kopaniec (Seiffershau) – polnisch
Cornu Cervii (Fotogalerie)
Hussiten (PDF)

Veröffentlicht 12/09/2009 von krkonos in Riesengebirge, Touristik

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Als Gerhart Hauptmann nach Agnetendorf zog…   Leave a comment

Es war August des Jahres 1901 – Gerhart Hauptmann zog in seine wundervolle, grad 18 Monate lang gebaute Villa Wiesenstein in Agnetendorf ein. Zwar kam das „große Geld“ erst 11 Jahre später (1912 bekam er den Nobelpreis), das Haus Wiesenstein aber konnte sich der Autor der „Weber“ unter anderem auch dank dem Geld seiner damaligen Lebenspartnerin und späteren Gattin Margarethe Marschalk leisten.

Gestern, nach 108 Jahren nach Hauptmanns Einzug, war also in Agnetendorf, im heutigen „Städtischen Museum Gerhart-Hauptmann-Haus“ zu Hirschberg-Agnetendorf der Tag der offenen Türen. Einen ganzen Tag lang gab es Vernissagen, Konzerte, Auftritte, aber auch des schlesischen Kuchen, regionale Bücher und interessante Gespräche. Bei wundervollstem Augustwetter war es erneut eine sagenhafte Veranstaltung, die einerseits Gerhart Hauptmann popularisiert, andererseits sein ehemaliges Haus (er starb hier 1946) mit neuem Leben ausfüllt. Hier ein paar Bilder vom gestrigen Ereignis.

Turm auf Wiesenstein

Turm auf Wiesenstein

Paradieshalle

Paradieshalle

Wiesenstein02

Haus Wiesenstein

Konzert

Konzert

Pippa

Pippa

Veröffentlicht 02/08/2009 von krkonos in Geschichte Hirschbergs, Riesengebirge

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Eugen Füllner in seinem Warmbrunner Park geehrt   Leave a comment

Norsk Pavillon

Vor einhundert Jahren – und einer Woche genau – wurden in Warmbrunn (ohne den Zusatz „Bad“ damals noch) der Füllner-Park und das sich darin befindende, nordisch gestylte Blockhaus geöffnet.  Der unterstehende Fragment stammt aus dem Beitrag Herrn Raimund Wolfert „Duplikate im Drachenstil„.

Museum für Naturkunde

Bauwerke im norwegischen Drachenstil zeichnen sich in der Regel durch horizontal aufeinander liegende massive Baumstämme aus, die auf einem Naturstein- oder Bruchsteinsockel ruhen. Meist sind sie dunkelbraun gebeizt. Die Einzelgebäude der im Drachenstil angelegten Ensembles stehen in einem rechten Winkel zu einander, und sie weisen oft überdachte Laubengänge auf, die offen um das Haus angelegt sind. Das zweite Geschoss ist nach dem Muster älterer norwegischer Vorratsspeicher meist vorkragend. Am markantesten sind indes die dekorativen Verzierungen an den Giebelseiten und Dachabschlüssen der Gebäude sowie die Tür- und Fensterverkleidungen. Hier schmücken oft Drachenköpfe oder ineinander verschlungene Drachenkörper die Bauwerke. Sie sollen die bösen Geister abschrecken und das in ihrem Schoß befindliche Gebäude vor Unheil schützen. Die plastische Drachenornamentik fand auch im Inneren der Räume Anwendung.Erstaunlich ist, dass in diesem Zusammenhang der Norwegische Pavillon im schlesischen Bad Warmbrunn noch so gut wie keine Aufmerksamkeit erhalten hat, obwohl auch er das Duplikat einer der berühmtesten Arbeiten Hansen Munthes ist. Sein Vorbild ist für viele das Paradebeispiel für den in seiner Zeit populären Drachenstil schlechthin. Das 1891 errichtete Restaurant Frognerseteren erhebt sich noch heute auf 435 Metern hoch über die norwegische Hauptstadt und erfreut sich nicht nur bei den Einwohnern Oslos, sondern vor allem bei Touristen aus allen Teilen der Welt größten Zuspruchs.

Als der weitgereiste Industrielle Eugen Füllner (1853–1925), seinerzeit Besitzer einer Warmbrunner Papiermaschinenfabrik, dieses Gebäude während eines Besuchs in Norwegen sah, war er so begeistert von ihm, dass er beschloss, ein Duplikat im heimatlichen Schlesien errichten zu lassen. 1909 wurde es der Öffentlichkeit übergeben, und bis in die fünfziger Jahre hinein diente es wie sein Osloer Zwillingsbau als Restaurant.Die Geschichte des Norwegischen Pavillons in Warmbrunn begann jedoch schon drei Jahre vor seiner Eröffnung, und wieder war der deutsche Monarch mit von der Partie, wenngleich auch nur indirekt. Am 27. Februar 1906, dem Tag der silbernen Hochzeit Kaiser Wilhelms II. und seiner Gattin, der Kaiserin Auguste Viktoria, gab Füllner bekannt, er wolle den Einwohnern Warmbrunns einen öffentlichen Park stiften. Zu diesem Zwecke erwarb er bislang brachliegende Ländereien oberhalb seiner Fabrik am rechten Ufer des Flusses Heidewasser.(…)

Eugen Füllner entschied 1906, dass drei Hektar des von ihm erworbenen Landes für den Bau einer Wohnsiedlung für die Arbeiter seiner Fabrik dienen sollten, die übrigen 15 Hektar wies er als zukünftigen Park aus. Den ausgeschriebenen Wettbewerb zur Parkgestaltung gewann der Breslauer Landschaftsarchitekt Fritz Hanisch. Er wurde auch mit der Leitung der Erdarbeiten beauftragt, die noch im selben Herbst begannen. Es wurden zwei Teiche und Wege von insgesamt knapp 10 km Länge angelegt, zahlreiche Bäume wurden gepflanzt sowie Bänke, Lauben und Wegweiser aufgestellt. Im Laufe der Arbeiten verfestigte sich auch die Idee eines zentralen Pavillons, der den Spaziergängern als Raststätte dienen sollte, und hier gab schließlich Füllners Begeisterung für das Osloer Restaurant Frognerseteren den Ausschlag. Anhand der Originalbaupläne, die der norwegische Architekt Einar Smith (1863–1930) vermittelte, errichteten örtliche Firmen ein Zwillingsgebäude des Frognerseteren an einer Stelle, von der aus eine schöne Aussicht auf das Panorama des Riesengebirges gewährt war.

Für den Bau wurden ausschließlich einheimische Handwerker beschäftigt, und es wurde lediglich Baumaterial aus Schlesien verwendet. So stammte der Granit für die Terrasse aus dem Riesengebirge, und für das Blockhaus wurden nur Fichten in der näheren Umgebung gefällt. Das Fundament führte die in Warmbrunn ansässige Firma Karl Ansorge aus, und den hölzernen Aufbau errichtete die örtliche Zimmerei Paul Ansorge. Die Innenausstattung besorgte die Holzschnitzschule Warmbrunn, die zu ihrer Zeit ein Mittelpunkt des kunstgewerblichen Schaffens am Rand des Riesengebirges war. Auf sie gehen auch die profilierten Enden der Dachbalken sowie die Giebeldrachen am äußeren Gebäudekörper zurück. Am 18. Juli 1909 erfolgte die offizielle Einweihung des Pavillons und des ihn umgebenden »Füllner-Parks«, und fortan erinnerte auch eine Inschrift an der südlichen Seite der Terrassenmauer an die Entstehungsgeschichte des Bauwerks. Diese Inschrift ist heute jedoch nicht mehr erhalten.

Am 18. Juli 2009, also auf den Tag genau 100 Jahre nach der Eröffnung des Restaurants, wurde eine an der Terrassenmauer befestigte, neue Gedenktafel enthüllt.

Füllner 0

Füllner Tafel

Der fürstlich-ritterliche Wohnturm zu Siedlęcin (Boberröhrsdorf)   Leave a comment

Der Wohnturm zu Siedlęcin (Boberröhrsdorf) ist eines der prachtvollsten Bauwerke dieser Art in Mitteleuropa. Die meisten Forscher datieren seine Erbauung in die Jahre 1313-1314 und bringen sie mit der Bauherrentätigkeit des Fuersten Heinrich I. von Jauer zusammen. Die Fürstin Agnes von Habsburg, die Witwe des Fuersten Bolko II. von Schweidnitz, hat im Jahr 1368 oder 1369 das Gut Boberröhrsdorf an den Ritter Jenschin von Redern verkauft. Um 1368-1369 wurden die Wappen der Familie von Redern und von Zedlitz hinzugefügt. Die Familie von Redern herrschte in Boberröhrsdorf bis zum Ende des 15. Jahrhunderts.

Ritterturm

Ritterturm

Bis zum 16. Jh. war der Turm ohne Dach und hatte nur 3 Stockwerke. Im 16. Jh. (circa 1575) wurde er um ein Geschoss erhöht und dabei sind die Schießscharten vermauert worden. Der Turm wurde dann mit einem Schindelwalmdach bedeckt. Ein paar Fensteröffnungen sind dabei entstanden und in jedem Stockwerk wurden Erker errichtet, die die Funktion von Latrinen übernahmen. Ein weiterer Umbau fand im 18. Jh. statt. An der Südwand wurde ein Hinterhaus angebaut, wobei der Wassergraben zum Teil zugeschüttet wurde. Gegen Ende des 19. Jh. wurden die ersten Restaurierungsarbeiten und eine Überholung des Dachverbandes und des Daches vorgenommen.

Die mittelalterliche Polychromie, die den großen Saal ausschmückt, wurde 1880 entdeckt und 1936 von allen deckenden Schichten befreit. Stellenweise waren diese dilettantisch übermalt gewesen. Die Wände im zweiten Stockwerk sind auf einer Gesamtfläche von 33 qm bemalt. Die verwendete Technik besteht darin, dass der trockene Putz mit den mit Kalkwasser bespritzten Farbstoffen bedeckt wurde (al secco).

Fuerst Heinrich I. von Jauer (der Sohn des Fürsten Bolko I. von Schweidnitz) dürfte das ideelle Programm der Wandmalereien inspiriert und finanziert haben. Die Malereien werden im Zeitraum 1345-1346 entstanden sein. Der Autor der Gemälde in Boberröhrsdorf stammte aus dem Gebiet der heutigen Nordschweiz.
Aus unerklärlichen Gründen hatte man die Dekorarbeiten im Turm unterbrochen, wiewohl noch im selben 14. Jh. Versuche unternommen wurden, die Arbeiten fortzuführen, die jedoch von einem anderen Maler geschaffen wurden. Seine Zeichnungen sind auch nicht fertig geworden.

Die Wandgemälde sind auch hinsichtlich ihres weltlichen Inhalts einzigartig, denn sie stellen Szenen aus dem damaligen Hof- und Ritterleben dar. Sie sind die einzigen mittelalterlichen Malereien in Europa, die die Geschichte eines der Ritter der Tafelrunde – Herrn Lancelot vom See, zeigen.

Die Darstellungen haben auch einen moralisierenden Hintergrund. Hl. Christophorus ist der Schutzherr aller Ritter und ein Muster der standhaften Treue gegenüber seinem Herrn – Christus, also das Muster eines guten Christen und Vasallen. Man sollte nicht vergessen, dass Lancelot , durch seine sündhafte Liebe zu Gunever, untreu gegen Artus war.

Interessant ist auch die Szene mit den Toten in ihren Gräbern und den darüber platzierten Paaren – einem Ritter und einer Jungfrau einerseits und einem Ritter und einer Verheirateten andererseits. Die Boberröhrsdorfer Malereien waren früher, wegen dilettantischer Übermalungen, als Epos von Ritter Ivein und die Geschichte der Stiftung des Zisterzienserklosters in Grüssau schlecht interpretiert worden.

Seit Dezember 2001 ist der Turm zu Boberröhrsdorf im Besitz der Stiftung „Schloss Chudow“. In 2006 wurden die mittelalterlichen Malereien renoviert.

Veröffentlicht 30/04/2009 von krkonos in Geschichte Hirschbergs, Riesengebirge

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Die Glassammlung im Karkonoskie-Museum   Leave a comment

Die Glassammlung des ehemaligen Museums des Riesengebirgsvereins in Hirschberg gehört zu den bedeutetesten in Europa – sie zählt etwa 7000 Objekte. Sie verbindet die frühere Glasherstellung in Schlesien mit der nach dem 2. Weltkrieg in Polen. Sie ist vor allem ein kostbares Kulturgut und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Kunsterbe Europas als Zeugnis handwerklicher Kunstfertigkeit vom Anfang des 17. Jh. bis ins 20. Jahrhundert. Aufschluss darüber geben umfangreiche Aktenbestände, die sich bis heute in den polnischen Staatsarchiven befinden. Sie vertiefen den Wissensstand über die Glasherstellung und ihre Entwicklung im Hirschberger Tal, besonders im 19. und 20. Jh. Das Sammeln von Kunstglasgegenständen war bereits im Altertum beliebt. Plinius berichtet im 37. Buch seiner Naturgeschichte, dass Pompejus nach seinem Sieg über den Perserkönig Mithridates 2000 Murrinen (Millefiori) nach Rom gebracht und dem Jupiter geweiht habe. Zu den legendären Sammlungen des Altertums gehören auch. 300 Prunkgegenstände aus Glas, ehemals im Besitz der Königin Kleopatra, die in Millefiori-Technik hergestellt worden sind. Nach der Eroberung Ägyptens wurden sie nach Rom transportiert und öffentlich ausgestellt. In den Zeiten des Kaisers Augustus wurden sie versteigert.

Aus der Neuzeit sind die umfangreichen Sammlungen Kaiser Rudolf II. bekannt, eines großen und fachkundigen Mäzens der Künste in Glas- und Edelsteinveredelung. Er verlieh Caspar Lehmann das besondere Privileg, für den kaiserlichen Hof Glas veredeln zu dürfen. Lehmann war es auch, der den Edelstein-Kunstschnitt auf Glas übertragen hat. Bedeutend waren auch die Sammlungen der fürstlichen Familien Czartoryski und der reichsgräflichen Familie von Schaffgotsch.

In der Zeit nach dem Sieg über Napoleon, dem sogenannten Biedermeier (1815 – 1850) entstanden zahlreiche Kabinette mit Sehenswürdigkeiten, die ersten Privatsammlungen. In Schlesien reichte diese Zeit bis in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein. Dem Adel folgte das reich gewordene Bürgertum, das die Produktion von Glas nach dem damaligen Zeitgeschmack beeinflusste. Heute empfinden wir die damals hergestellten Gegenstände als zu schwer in der Form oder von ungünstigen Proportionen. Die geschnittenen Szenen wirken naiv oder zu idyllisch. Aber diese Zeit spiegelt Neigungen der Romantik wieder. Denken wir nur an die vielen lyrischen Briefe oder an die romantischen Werke der Kammermusik. Man ist in Symbole verliebt, denkt aber nicht nur an des Lebens Schönheiten, sondern auch an dessen Vergehen. Dies widerspiegelt sich auch in der Kunst der Glasveredlung.

Es wurde Mode, schöne Prunkgegenstände zu sammeln. Reiche und besondere Funde bei Ausgrabungen in Ägypten, Kreta und Griechenland regten Kunstliebhaber in Mitteleuropa an, eigene Sammlungen zu schaffen. Aus den privaten Sammlungen entstanden Initiativen zum Aufbau öffentlicher Museen, die solchen Sammlungen gewidmet wurden

Im Hirschberger Tal ist auf diese Weise sehr früh eine reiche und vielfältige Sammlung des Grafen Leopold Schaffgotsch in Warmbrunn entstanden. Bestandteil seiner Sammlung waren u.a. sehr kostbare, in Edelstein oder in dickwandiges Glas geschnittene Pokale und Fußschalen von Friedrich Winter. Erwähnt sei auch die damalige Sammlung von Kunstgegenständen im Schloss Fischbach. Dort verwahrte die preußische Königsfamilie kostbare Glasgegenstände aus der Josephinenhütte, die man auf den Gewerbeausstellungen in Berlin oder Breslau erworben hatte.

Von der Gründung einer Privatsammlung bis zur Eröffnung eines Museums, einer öffentlichen Sammlung, sollten im Hirschberger Tal noch Jahre vergehen.

Im Jahre 1880 wurde hier der Riesengebirgsverein gegründet, der von Anfang an Kunstgegenstände aus dieser Region sammelte. Nach dem allmählichen Anwachsen des Bestandes wurde eine angemessene Ausstellungsmöglichkeit gesucht.

1909 hat der Vorstand des RGV beschlossen, ein eigenes Museumsgebäude errichten zu lassen, das speziell für die RGV-Sammlungen zugeschnitten sein sollte. Man entschied sich für den Entwurf des Breslauer Architekten Karl Grosser.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte die preußische Regierung im Regierungsbezirk Liegnitz die Absicht, in Hirschberg ein Museum bauen zu lassen. Grundausstattung sollte die Sammlung des Barons Heinrich Wilhelm Minutoli sein. Er war Regierungsbeauftragter für die Industrialisierung Schlesiens. Leider verkauften seine Erben die Sammlungen nach Berlin, Grundstock des dortigen Kunstgewerbemuseums.

Bis 1945 konnte man im Riesengebirgsmuseum kunstvoll geschnittene Glaspokale der Brüder Christian Gottfried und Samuel Schneider bewundern, vorzügliche Beispiele aus anderen Warmbrunner Werkstätten, unter denen die Arbeiten von Johann Benjamin Reichstein, Carl und Paul Hensel, Ehrenfried Pauser zu nennen sind und Objekte von Friedrich Wilhelm Siebenhaar, dem bekanntesten Wappen-, Siegel- und Glasschneider, dessen Hochreliefkunst (sog. Kamee) unübertroffen war.

Die Glassammlung im RGV-Museum umfasste vor dem Krieg ca. 2000 Objekte. Leider sind viele Gegenstände verschollen. Viele Objekte wurden ausgelagert in das Nationalmuseum in Breslau oder Warschau. Noch heute sind Gegenstände mit den Inventar-Nummern des RGV-Museums versehen. Das Stadtmuseum wurde für die Besucher 1947 wiedereröffnet. Bei der Bestandsaufnahme stellte man fest, dass ca. 700 Glasobjekte erhalten geblieben sind. Sie tragen andere Inventar-Nummern als die Objekte, die man danach erworben hat.

1964 hat eine Sonderkommission des Kultus- und Kunstministeriums unter Leitung von Dr. Maria Starzewska, der ersten Nachkriegs-Direktorin des Schlesischen Museums in Breslau, entschieden, dass sich das Regionalmuseum in Hirschberg auf die Präsentation von Glas spezialisieren soll. Man begründete dies durch die lange Tradition der Glasherstellung und Veredelung in dieser Region.

Die Sammlung entwickelte sich zusehends in der Amtszeit von Direktor Henryk Szymczak, der unermüdlich Mittel einwarb, um Gläser kaufen zu können. Dabei unterstützte ihn insbesondere Mieczysław Buczyński (1941-2005), der seit 1967 Kustos dieser Sammlung war.

Gegenwärtig erstreckt sich die Sammlung auf 350 qm Raumfläche und auf fünf Räume mit insgesamt 130 Vitrinen. Zu sehen sind, neben einem Abriss der Entwicklungsgeschichte in der Glasproduktion, über 1300 Objekte. Darunter finden sich Barock- und Rokoko-Pokale mit besonderem Dekor und mit Inschriften, dickwandige, konische Becher und zylindrische Pokale mit Veduten der schlesischen Kurorte: Warmbrunn, Salzbrunn, Landeck und Flinsberg, zahlreiche Karaffen und Reiseflaschen. Die meisten Objekte aus Milchglas stammen aus der alten Sammlung des RGV-Museums, ihr Bestand wurde kaum erweitert.

Die heutige Sammlung zeigt Gläser aus dem Biedermeier, dem Historismus, aus der Zeit der Sezession und des Art-Deco. Diese Glasobjekte aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. stammen aus dem Museum der Josephinenhütte (ehemals in Schreiberhau) und der Fritz-Heckert Glasfabrik in Petersdorf.

In der Dauerausstellung wird ein breites Spektrum der Buntglas-Herstellung gezeigt: in der Masse gefärbt oder bunt überfangen oder Lasurglas oder mit transparenter oder Opak-Email, rosa Gläser, Gold gefärbt, rote Gläser, mit Kupfermonoxid oder mit Gold gefärbt, grünes Glas mit reichem Farbenspektrum je nach eingesetztem Metallmonoxid. Zu dieser Gruppe zählt man olivgrünes Glas (Eisenmonoxid), smaragdgrünes Glas (Kupfermonoxid), oder Grünglas mit Zusatz von Uranmonoxid, der dem Glas eine blaue Farbe gibt. Weiterhin gehören dazu schwarze Hyalith-Gläser aus südböhmischen Hütten des Grafen Bouquy sowie sog. Metall- Glas aus österreichischen Hütten des Joseph Zichs Patent-Glas. Zur Glassammlung aus der Biedermeierzeit gehören zahlreiche geschnittene Becher mit den für diese Epoche typischen Motiven und mit Genreszenen. In der Sammlung gibt es auch Patent-geschützte Gläser von Friedrich Egermann, seine berühmten „Lythialinen“ und ein Milchglasschokoladenservice mit Chamoye-Malerei. Erwähnt werden müssen unbedingt die Filigran-und Vedutengläser, das Milchglas mit Emailmalerei und das Alabasterglas aus der Josephinenhütte.

Die größte Glassammlung der Welt ist zweifelsfrei im Glasmuseum in Passau untergebracht; auf über 5ooo Quadratmeter Grundfläche sind über 15.000 verschiedene Glasobjekte aus der Zeit von 1700 bis 1950 untergebracht, Eigentum von Georg und Peter Höltl. In der Glasabteilung des Karkonoskie-Museums in Hirschberg werden auch Gläser der Sezession aus lothringischen, böhmischen, österreichischen und deutschen Hütten gesammelt. Besonders zahlreich sind böhmische Glasobjekte vertreten, darunter Veredelungen aus Kamenicky, Senov und Novy Bor, sowie Erzeugnisse der südböhmischen Hütten Loetz-Witwe, Kralik und Söhne, Habel, Pallme-König u. Kostany und der nordböhmischen Hütte des Grafen Harrach in Neuwelt.

1995 wurden dem Museum zu Hirschberg weitere 1188 Objekte aus der ehem. Josephinenhütte übergeben. Unter ihnen sind Beispiele der künstlerischen Avantgarde aus den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jh. Sie bestätigen das hohe Niveau, auf dem schlesische Hütten gearbeitet haben und sind ein Zeugnis ihrer technologischen Entwicklung.