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Hinterglasmalerei im Riesengebirgsmuseum   2 comments

Die Sammlung der Hinterglasmalerei aus dem 18. und 19. Jh. im Muzeum Karkonoskie (RGV-Museum) umfasst 1359 Bilder, überwiegend Beispiele der Volkskunst aus Niederschlesien. Unbekannt ist, wie es zu der eigentlichen Entstehung dieser Kollektion gekommen ist – sie wird weder im Museumsführer von 1914, noch aus dem Jahr 1921 erwähnt. Zahlreiche Exponate sind jedoch mit dem Namen Erich Wieses gezeichnet, des Kunsthistorikers, Philosophen, 1929-1933 – Direktors des Schlesischen Museums der bildenden Künste in Breslau, schließlich Antiquitätenhändlers in Hirschberg. Bekannt ist, dass er eine imposante private Sammlung der Hinterglasmalerei besaß, somit liegt die Vermutung nahe, dass die Sammlung des Museums auf dieser auch basiert.

Die Ausstellung wird von einem wundervollen Katalog (403 Seiten) begleitet, in dem alle Hinterglasbilder der Hirschberger Sammlung vorgestellt werden. Bestimmt lohnt ein Besuch im Muzeum Karkonoskie, um diese sehr eigenartige Ausstellung zu bewundern.

Hg. Hedwig

Hg. Hedwig

Hg. Florian

Hg. Florian

Zeitgenössische Hinterglasmalerei

Zeitgenössische Hinterglasmalerei

Eine Fotoreportage von der Eröffnung der Ausstellung am Freitag (17.04.2009) ist HIER zu sehen. Sie wird bis zum 31. Mai 2009 im Museum zu bewundern sein.

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Fedor Sommers Beschreibung von Hirschberg   Leave a comment

(Die Stadt ist) der natürliche Mittelpunkt des ganzen Hirschberger Tales. Hier und in seiner Nähe fließen alle Wasser der nördlichen Abdachung des Riesengebirges zusammen. Darum öffnen sich alle Täler schließlich nach diesem Punkte, und so bildet Hirschberg den Ausgangspunkt aller Wege ins Gebirge, auch den der Gebirgseisenbahnen ins Schmiedeberger- und Warmbrunner-Schreiberhauer Tal. So entstand denn auch hier schon sehr früh eine Befestigung, in deren Schutze die Stadt sich erweiterte. Die Befestigungswerke sind aber zum Glück für die Entwicklung der Stadt schon sehr früh gefallen, und an ihrer Stelle sind wie in so vielen anderen Schlesischen Städten Promenadenanlagen getreten. Die Stadt hat zu allen Zeiten viel durch Kriege gelitten. Ihr Wohlstand hob sich vom 15. Jahrhundert an durch schwunghafte Fabrikation dünner Schleier; für den Alleinhandel mit ihnen hatte sie ein Privilegium. Dieser Handel blühte, bis ihn die Napoleonischen Kriege vernichteten. An seiner Stelle ist heute Leinwand-und Holzhandel getreten, dessen Aufblühen in der natürlichen Beschaffenheit der Umgebung begründet liegt. Hirschberg weißt auch große Fabriken für Holzzementbedachung, Holzstoff, Obstwein und Fruchtsäfte, Papier und Maschinen sowie eine bedeutende Kammgarnspinnerei auf. Der Ring ist von „Lauben“ umgeben. Die Umgebung ist reich an Naturschönheiten. Die Anlagen am Kavalier-und Hausberge und an der Sattlerschlucht haben besonderen Ruf. Der lebhafte Verkehr, den der Fremdenzufluss und die Industrie gerade in Hirschbergs Umgebung hervorbringen, hat zur Anlage einer elektrischen Straßenbahn geführt, die Hirschberg mit Hermsdorf/Kynast verbindet und für Warmbrunn von besonderer Bedeutung ist.

(Fedor Sommer – „Schlesien, eine Landeskunde als Grundlage für den Unterricht“, 1913)

Karte Hirschberger Tal

Veröffentlicht 05/05/2008 von krkonos in Geschichte Hirschbergs

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Die Glassammlung im Karkonoskie-Museum   Leave a comment

Die Glassammlung des ehemaligen Museums des Riesengebirgsvereins in Hirschberg gehört zu den bedeutetesten in Europa – sie zählt etwa 7000 Objekte. Sie verbindet die frühere Glasherstellung in Schlesien mit der nach dem 2. Weltkrieg in Polen. Sie ist vor allem ein kostbares Kulturgut und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Kunsterbe Europas als Zeugnis handwerklicher Kunstfertigkeit vom Anfang des 17. Jh. bis ins 20. Jahrhundert. Aufschluss darüber geben umfangreiche Aktenbestände, die sich bis heute in den polnischen Staatsarchiven befinden. Sie vertiefen den Wissensstand über die Glasherstellung und ihre Entwicklung im Hirschberger Tal, besonders im 19. und 20. Jh. Das Sammeln von Kunstglasgegenständen war bereits im Altertum beliebt. Plinius berichtet im 37. Buch seiner Naturgeschichte, dass Pompejus nach seinem Sieg über den Perserkönig Mithridates 2000 Murrinen (Millefiori) nach Rom gebracht und dem Jupiter geweiht habe. Zu den legendären Sammlungen des Altertums gehören auch. 300 Prunkgegenstände aus Glas, ehemals im Besitz der Königin Kleopatra, die in Millefiori-Technik hergestellt worden sind. Nach der Eroberung Ägyptens wurden sie nach Rom transportiert und öffentlich ausgestellt. In den Zeiten des Kaisers Augustus wurden sie versteigert.

Aus der Neuzeit sind die umfangreichen Sammlungen Kaiser Rudolf II. bekannt, eines großen und fachkundigen Mäzens der Künste in Glas- und Edelsteinveredelung. Er verlieh Caspar Lehmann das besondere Privileg, für den kaiserlichen Hof Glas veredeln zu dürfen. Lehmann war es auch, der den Edelstein-Kunstschnitt auf Glas übertragen hat. Bedeutend waren auch die Sammlungen der fürstlichen Familien Czartoryski und der reichsgräflichen Familie von Schaffgotsch.

In der Zeit nach dem Sieg über Napoleon, dem sogenannten Biedermeier (1815 – 1850) entstanden zahlreiche Kabinette mit Sehenswürdigkeiten, die ersten Privatsammlungen. In Schlesien reichte diese Zeit bis in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein. Dem Adel folgte das reich gewordene Bürgertum, das die Produktion von Glas nach dem damaligen Zeitgeschmack beeinflusste. Heute empfinden wir die damals hergestellten Gegenstände als zu schwer in der Form oder von ungünstigen Proportionen. Die geschnittenen Szenen wirken naiv oder zu idyllisch. Aber diese Zeit spiegelt Neigungen der Romantik wieder. Denken wir nur an die vielen lyrischen Briefe oder an die romantischen Werke der Kammermusik. Man ist in Symbole verliebt, denkt aber nicht nur an des Lebens Schönheiten, sondern auch an dessen Vergehen. Dies widerspiegelt sich auch in der Kunst der Glasveredlung.

Es wurde Mode, schöne Prunkgegenstände zu sammeln. Reiche und besondere Funde bei Ausgrabungen in Ägypten, Kreta und Griechenland regten Kunstliebhaber in Mitteleuropa an, eigene Sammlungen zu schaffen. Aus den privaten Sammlungen entstanden Initiativen zum Aufbau öffentlicher Museen, die solchen Sammlungen gewidmet wurden

Im Hirschberger Tal ist auf diese Weise sehr früh eine reiche und vielfältige Sammlung des Grafen Leopold Schaffgotsch in Warmbrunn entstanden. Bestandteil seiner Sammlung waren u.a. sehr kostbare, in Edelstein oder in dickwandiges Glas geschnittene Pokale und Fußschalen von Friedrich Winter. Erwähnt sei auch die damalige Sammlung von Kunstgegenständen im Schloss Fischbach. Dort verwahrte die preußische Königsfamilie kostbare Glasgegenstände aus der Josephinenhütte, die man auf den Gewerbeausstellungen in Berlin oder Breslau erworben hatte.

Von der Gründung einer Privatsammlung bis zur Eröffnung eines Museums, einer öffentlichen Sammlung, sollten im Hirschberger Tal noch Jahre vergehen.

Im Jahre 1880 wurde hier der Riesengebirgsverein gegründet, der von Anfang an Kunstgegenstände aus dieser Region sammelte. Nach dem allmählichen Anwachsen des Bestandes wurde eine angemessene Ausstellungsmöglichkeit gesucht.

1909 hat der Vorstand des RGV beschlossen, ein eigenes Museumsgebäude errichten zu lassen, das speziell für die RGV-Sammlungen zugeschnitten sein sollte. Man entschied sich für den Entwurf des Breslauer Architekten Karl Grosser.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte die preußische Regierung im Regierungsbezirk Liegnitz die Absicht, in Hirschberg ein Museum bauen zu lassen. Grundausstattung sollte die Sammlung des Barons Heinrich Wilhelm Minutoli sein. Er war Regierungsbeauftragter für die Industrialisierung Schlesiens. Leider verkauften seine Erben die Sammlungen nach Berlin, Grundstock des dortigen Kunstgewerbemuseums.

Bis 1945 konnte man im Riesengebirgsmuseum kunstvoll geschnittene Glaspokale der Brüder Christian Gottfried und Samuel Schneider bewundern, vorzügliche Beispiele aus anderen Warmbrunner Werkstätten, unter denen die Arbeiten von Johann Benjamin Reichstein, Carl und Paul Hensel, Ehrenfried Pauser zu nennen sind und Objekte von Friedrich Wilhelm Siebenhaar, dem bekanntesten Wappen-, Siegel- und Glasschneider, dessen Hochreliefkunst (sog. Kamee) unübertroffen war.

Die Glassammlung im RGV-Museum umfasste vor dem Krieg ca. 2000 Objekte. Leider sind viele Gegenstände verschollen. Viele Objekte wurden ausgelagert in das Nationalmuseum in Breslau oder Warschau. Noch heute sind Gegenstände mit den Inventar-Nummern des RGV-Museums versehen. Das Stadtmuseum wurde für die Besucher 1947 wiedereröffnet. Bei der Bestandsaufnahme stellte man fest, dass ca. 700 Glasobjekte erhalten geblieben sind. Sie tragen andere Inventar-Nummern als die Objekte, die man danach erworben hat.

1964 hat eine Sonderkommission des Kultus- und Kunstministeriums unter Leitung von Dr. Maria Starzewska, der ersten Nachkriegs-Direktorin des Schlesischen Museums in Breslau, entschieden, dass sich das Regionalmuseum in Hirschberg auf die Präsentation von Glas spezialisieren soll. Man begründete dies durch die lange Tradition der Glasherstellung und Veredelung in dieser Region.

Die Sammlung entwickelte sich zusehends in der Amtszeit von Direktor Henryk Szymczak, der unermüdlich Mittel einwarb, um Gläser kaufen zu können. Dabei unterstützte ihn insbesondere Mieczysław Buczyński (1941-2005), der seit 1967 Kustos dieser Sammlung war.

Gegenwärtig erstreckt sich die Sammlung auf 350 qm Raumfläche und auf fünf Räume mit insgesamt 130 Vitrinen. Zu sehen sind, neben einem Abriss der Entwicklungsgeschichte in der Glasproduktion, über 1300 Objekte. Darunter finden sich Barock- und Rokoko-Pokale mit besonderem Dekor und mit Inschriften, dickwandige, konische Becher und zylindrische Pokale mit Veduten der schlesischen Kurorte: Warmbrunn, Salzbrunn, Landeck und Flinsberg, zahlreiche Karaffen und Reiseflaschen. Die meisten Objekte aus Milchglas stammen aus der alten Sammlung des RGV-Museums, ihr Bestand wurde kaum erweitert.

Die heutige Sammlung zeigt Gläser aus dem Biedermeier, dem Historismus, aus der Zeit der Sezession und des Art-Deco. Diese Glasobjekte aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. stammen aus dem Museum der Josephinenhütte (ehemals in Schreiberhau) und der Fritz-Heckert Glasfabrik in Petersdorf.

In der Dauerausstellung wird ein breites Spektrum der Buntglas-Herstellung gezeigt: in der Masse gefärbt oder bunt überfangen oder Lasurglas oder mit transparenter oder Opak-Email, rosa Gläser, Gold gefärbt, rote Gläser, mit Kupfermonoxid oder mit Gold gefärbt, grünes Glas mit reichem Farbenspektrum je nach eingesetztem Metallmonoxid. Zu dieser Gruppe zählt man olivgrünes Glas (Eisenmonoxid), smaragdgrünes Glas (Kupfermonoxid), oder Grünglas mit Zusatz von Uranmonoxid, der dem Glas eine blaue Farbe gibt. Weiterhin gehören dazu schwarze Hyalith-Gläser aus südböhmischen Hütten des Grafen Bouquy sowie sog. Metall- Glas aus österreichischen Hütten des Joseph Zichs Patent-Glas. Zur Glassammlung aus der Biedermeierzeit gehören zahlreiche geschnittene Becher mit den für diese Epoche typischen Motiven und mit Genreszenen. In der Sammlung gibt es auch Patent-geschützte Gläser von Friedrich Egermann, seine berühmten „Lythialinen“ und ein Milchglasschokoladenservice mit Chamoye-Malerei. Erwähnt werden müssen unbedingt die Filigran-und Vedutengläser, das Milchglas mit Emailmalerei und das Alabasterglas aus der Josephinenhütte.

Die größte Glassammlung der Welt ist zweifelsfrei im Glasmuseum in Passau untergebracht; auf über 5ooo Quadratmeter Grundfläche sind über 15.000 verschiedene Glasobjekte aus der Zeit von 1700 bis 1950 untergebracht, Eigentum von Georg und Peter Höltl. In der Glasabteilung des Karkonoskie-Museums in Hirschberg werden auch Gläser der Sezession aus lothringischen, böhmischen, österreichischen und deutschen Hütten gesammelt. Besonders zahlreich sind böhmische Glasobjekte vertreten, darunter Veredelungen aus Kamenicky, Senov und Novy Bor, sowie Erzeugnisse der südböhmischen Hütten Loetz-Witwe, Kralik und Söhne, Habel, Pallme-König u. Kostany und der nordböhmischen Hütte des Grafen Harrach in Neuwelt.

1995 wurden dem Museum zu Hirschberg weitere 1188 Objekte aus der ehem. Josephinenhütte übergeben. Unter ihnen sind Beispiele der künstlerischen Avantgarde aus den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jh. Sie bestätigen das hohe Niveau, auf dem schlesische Hütten gearbeitet haben und sind ein Zeugnis ihrer technologischen Entwicklung.