Archiv für Juli 2009

Eugen Füllner in seinem Warmbrunner Park geehrt   Leave a comment

Norsk Pavillon

Vor einhundert Jahren – und einer Woche genau – wurden in Warmbrunn (ohne den Zusatz „Bad“ damals noch) der Füllner-Park und das sich darin befindende, nordisch gestylte Blockhaus geöffnet.  Der unterstehende Fragment stammt aus dem Beitrag Herrn Raimund Wolfert „Duplikate im Drachenstil„.

Museum für Naturkunde

Bauwerke im norwegischen Drachenstil zeichnen sich in der Regel durch horizontal aufeinander liegende massive Baumstämme aus, die auf einem Naturstein- oder Bruchsteinsockel ruhen. Meist sind sie dunkelbraun gebeizt. Die Einzelgebäude der im Drachenstil angelegten Ensembles stehen in einem rechten Winkel zu einander, und sie weisen oft überdachte Laubengänge auf, die offen um das Haus angelegt sind. Das zweite Geschoss ist nach dem Muster älterer norwegischer Vorratsspeicher meist vorkragend. Am markantesten sind indes die dekorativen Verzierungen an den Giebelseiten und Dachabschlüssen der Gebäude sowie die Tür- und Fensterverkleidungen. Hier schmücken oft Drachenköpfe oder ineinander verschlungene Drachenkörper die Bauwerke. Sie sollen die bösen Geister abschrecken und das in ihrem Schoß befindliche Gebäude vor Unheil schützen. Die plastische Drachenornamentik fand auch im Inneren der Räume Anwendung.Erstaunlich ist, dass in diesem Zusammenhang der Norwegische Pavillon im schlesischen Bad Warmbrunn noch so gut wie keine Aufmerksamkeit erhalten hat, obwohl auch er das Duplikat einer der berühmtesten Arbeiten Hansen Munthes ist. Sein Vorbild ist für viele das Paradebeispiel für den in seiner Zeit populären Drachenstil schlechthin. Das 1891 errichtete Restaurant Frognerseteren erhebt sich noch heute auf 435 Metern hoch über die norwegische Hauptstadt und erfreut sich nicht nur bei den Einwohnern Oslos, sondern vor allem bei Touristen aus allen Teilen der Welt größten Zuspruchs.

Als der weitgereiste Industrielle Eugen Füllner (1853–1925), seinerzeit Besitzer einer Warmbrunner Papiermaschinenfabrik, dieses Gebäude während eines Besuchs in Norwegen sah, war er so begeistert von ihm, dass er beschloss, ein Duplikat im heimatlichen Schlesien errichten zu lassen. 1909 wurde es der Öffentlichkeit übergeben, und bis in die fünfziger Jahre hinein diente es wie sein Osloer Zwillingsbau als Restaurant.Die Geschichte des Norwegischen Pavillons in Warmbrunn begann jedoch schon drei Jahre vor seiner Eröffnung, und wieder war der deutsche Monarch mit von der Partie, wenngleich auch nur indirekt. Am 27. Februar 1906, dem Tag der silbernen Hochzeit Kaiser Wilhelms II. und seiner Gattin, der Kaiserin Auguste Viktoria, gab Füllner bekannt, er wolle den Einwohnern Warmbrunns einen öffentlichen Park stiften. Zu diesem Zwecke erwarb er bislang brachliegende Ländereien oberhalb seiner Fabrik am rechten Ufer des Flusses Heidewasser.(…)

Eugen Füllner entschied 1906, dass drei Hektar des von ihm erworbenen Landes für den Bau einer Wohnsiedlung für die Arbeiter seiner Fabrik dienen sollten, die übrigen 15 Hektar wies er als zukünftigen Park aus. Den ausgeschriebenen Wettbewerb zur Parkgestaltung gewann der Breslauer Landschaftsarchitekt Fritz Hanisch. Er wurde auch mit der Leitung der Erdarbeiten beauftragt, die noch im selben Herbst begannen. Es wurden zwei Teiche und Wege von insgesamt knapp 10 km Länge angelegt, zahlreiche Bäume wurden gepflanzt sowie Bänke, Lauben und Wegweiser aufgestellt. Im Laufe der Arbeiten verfestigte sich auch die Idee eines zentralen Pavillons, der den Spaziergängern als Raststätte dienen sollte, und hier gab schließlich Füllners Begeisterung für das Osloer Restaurant Frognerseteren den Ausschlag. Anhand der Originalbaupläne, die der norwegische Architekt Einar Smith (1863–1930) vermittelte, errichteten örtliche Firmen ein Zwillingsgebäude des Frognerseteren an einer Stelle, von der aus eine schöne Aussicht auf das Panorama des Riesengebirges gewährt war.

Für den Bau wurden ausschließlich einheimische Handwerker beschäftigt, und es wurde lediglich Baumaterial aus Schlesien verwendet. So stammte der Granit für die Terrasse aus dem Riesengebirge, und für das Blockhaus wurden nur Fichten in der näheren Umgebung gefällt. Das Fundament führte die in Warmbrunn ansässige Firma Karl Ansorge aus, und den hölzernen Aufbau errichtete die örtliche Zimmerei Paul Ansorge. Die Innenausstattung besorgte die Holzschnitzschule Warmbrunn, die zu ihrer Zeit ein Mittelpunkt des kunstgewerblichen Schaffens am Rand des Riesengebirges war. Auf sie gehen auch die profilierten Enden der Dachbalken sowie die Giebeldrachen am äußeren Gebäudekörper zurück. Am 18. Juli 1909 erfolgte die offizielle Einweihung des Pavillons und des ihn umgebenden »Füllner-Parks«, und fortan erinnerte auch eine Inschrift an der südlichen Seite der Terrassenmauer an die Entstehungsgeschichte des Bauwerks. Diese Inschrift ist heute jedoch nicht mehr erhalten.

Am 18. Juli 2009, also auf den Tag genau 100 Jahre nach der Eröffnung des Restaurants, wurde eine an der Terrassenmauer befestigte, neue Gedenktafel enthüllt.

Füllner 0

Füllner Tafel

Der Preußen König erneut in Erdmannsdorf-Zillertal   Leave a comment

E-Z1 AltDas königliche Schloss, der Park und die Königsstraße in Erdmannsdorf-Zillerthal bei Hirschberg (Schlesien) werden von Grund auf restauriert. Der Gemeinderat will auf diese Weise die königliche Episode zur Promotion der Touristik nutzen.
Im Herbst 1832 wurde das Dorf vom preußischen Herrscher Friedrich Wilhelm III. gekauft. Hier richtete er seine Sommerresidenz ein. Später weilte hier sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV. Bis heute gibt es in Mysłakowice (ehem. Erdmannsdorf-Zillerthal) zahlreiche Überbleibsel aus der Zeit der preußischen Könige, wie die Säulen aus Pompei am Eingang der Kirche (Baumeister: K. Schinkel), die ein Geschenk des Königs von Neapel sind.

E-Z1 FassadeFassade des Schlosses heute

Doch befinden sich das Schloss und vor allem der Park in einem schlechten Zustand. Die königlichen Zimmer wurden in Klassenzimmer umgewandelt und aufgeteilt, seit über 50 Jahren beherbergt das Schloss die örtliche Grundschule. Auch im Park muss sehr viel getan werden. Der Vogt der Gemeinde Zdzisław Pietrowski träumt davon, dass die Residenz den alten Glanz wieder bekommt und – zum Beispiel – als ein Luxushotel dient: „Wir führen Gespräche mit 3 Investoren. Wir wollen, dass der Investor der Gemeinde eine neue Schule baut, dafür übergeben wir ihm das Schlossgebäude“, erklärt Pietrowski. In Kürze beginnen die Arbeiten an der Revitalisierung des Parks. Wiederhergestellt werden 3,5 ha. der Anlage, samt Kaskaden, die ehemals beide Parkteiche verbunden haben. Fertig ist auch das Projekt der Wiederbelebung des Königswegs, der die Residenzen des Adels im Hirschberger Tal verbunden haben: Stonsdorf, Fischbach, Lomnitz und Buchwald. „Geplant ist eine Strecke, die einen Rundgang der zu den Schlössern und Herrenhäusern fuhrt erlaubt. Auf der Strecke sollen sich dann 15 Aussichts- und Erholungspunkte befinden“.

E-Z1 Blick vom Turm

Aussicht vom Turm

E-Z2 Treppe Innen

Treppenhaus innen

E-Z1 KirchenturmDer Turm der Schinkel-Kirche

Schinkel-Kirche Innen

Schinkel-Kirche Innen