Gebirgsschlesisch – eine vergessene Mundart   2 comments

Immer seltener (zum Glück) wird in meinem Land die polnische Anwesenheit in Niederschlesien (ergo auf ehemalig böhmischen, österreichischen, preußischen und schließlich – für ne kurze Zeit – deutschen Gebieten) mit der Alt-Piasten-Geschichte begründet. Dafür öffnete sich nach der Wende (nach 1989) – mit der Ausnahme der Regierungsperiode der beiden Kartoffelbrüder – auf einmal die Tür zur Ergründung der alten Traditionen dieses Gebiets, der Volkstrachten, der Sprache. Die Letztere ist unbestritten ein wichtiger Träger der Tradition, vor allem in Form der regionalen Mundart. Das im Raum der Sudeten gesprochene Gebirgsschlesisch (mit Ausnahme des Lausitzer Berglandes und der Grafschaft Glatz) war eine sehr differenzierte Sprache. Sogar die Bewohner der voneinander nicht weit entfernten Dörfern hatten eine sprachliche Eigenart. Im Allgemeinen ist das Gebirgsschleische ein Teil der ostmitteldeutschen Sprachfamilie, allerdings mit vielen Begriffen, die aus der polnischen oder tschechischen Sprache stammen.

Hier ein Beispiel für die geschriebene (was eher selten war) gebirgsschlesische Mundart mit einem Versuch der Übersetzung ins Hochdeutsch.

A Freitich vir der Huchzet, doo hulla se’s Brautfuder bei der Braut an foorn’s zum Breitch’n; dos häßa se’s Fuderfihrn. De Braut ies nee derbeine, die bleibt derhäme. An doo wird a grußer Tollmolt gemacht. Doo waarn de ganza Schränke an olls, wos de Braut asuu brengt, off an grußa Letterwoorm uhfgelodt. Doo hoot’s drei, vier Monnsvelker derbeine an a poor Bettfraun an au an Huchzetbieter. Doo wird a gruus Assa gemacht an techtich getronka Bier an Branntwein. An doo komma jonge Maadel an soorn Getechte, der Braut äs an äs ’n Breitch’n. An doo hoan se aalt Toopzeig zum Polterobende ei an Saak gesackt an schmeißa’s a poormol uhf, doo wird a recht Gekrache an a Gelache. Do giht’s laabhoftichzu, an do wird gesonga an getanzt off daan Urte bis zum friha Murja.

Am Freitag vor der Hochzeit, da holen sie das Brautfuder bei der Braut und fahren es zum Bräutigam; das heißt Fuder führen. Die Braut ist nicht dabei, die bleibt daheim. Und da wird ein großer Tumult gemacht. Da werden die ganzen Schränke und alles, was die Braut auch so bringt, auf ein großen Leiterwagen aufgeladen. Da hat es drei, vier Männer dabei und ein paar Bettfrauen und auch ein Hochzeitbieter. Da wird ein großes Essen gemacht und tüchtig getrunken Bier und Branntwein. Und da kommen junge Mädel und sagen Gedichte, der Braut eins und ein dem Bräutigam. Und da haben sie altes Topfzeug zum Polterabend in einen Sack gesackt und schmeißen es ein paar mal auf, da wird ein recht Gekrache und ein Gelache. Da geht es leibhaftig zu, und da wird gesungen und getanzt auf dem Orte bis zum frühen Morgen.

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Veröffentlicht 19/03/2009 von krkonos in Deutsche und Polen, Geschichte Hirschbergs, Riesengebirge

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2 Antworten zu “Gebirgsschlesisch – eine vergessene Mundart

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  1. Würde ich gern machen, kann aber oberste zwei Absätze nicht lesen, dunkel-lila auf dunkel-blau, bzw. dunkel-grün auf dunkel-blau. Was steht dort ?

    Ich suche ein Wörterbuch, dass schlesische Wörter ins Hochdeutsche übersetzt, also z.B. was ist eine Puschfabrik?

    Können Sie helfen?

  2. Ich habe die Lesbarkeit (hoffe ich) verbessert. Nein, ich habe bzw. kenne kein Wörterbuch schlesisch-deutsch, habe aber noch unter meinen Freunden lebende Schlesier aus dem Raum Hirschberg und versuche immer, sie nach unverständlichen Begriffen zu fragen. Allerdings habe ich mir von ihnen erklären lassen, dass es sehr schwierig war mit der Verständigung damals: jeder Kreis, und sogar jedes Dorf hatte eine eigene Variante der Mundart und manche Begriffe waren sehr eigenartig und nur lokal verständlich.

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