Jörg Lau in „Zeit-Online“

In der deutschen Geschichtspolitik bahnt sich ein Durchbruch an. Und der unwahrscheinliche Initiator ist Guido Westerwelle, der neue Außenminister.
In seiner ersten Woche im Amt hat er nicht nur runde 20 000 Flugkilometer absolviert, ohne in einem einzigen Fettnäpfchen zu landen. Er hat auch gleich etwas richtig gemacht: Sein erster Besuch führte ihn nach Warschau  –  gemäß dem Wahlversprechen, er werde das Verhältnis zu unserem östlichen Nachbarn so vertrauensvoll gestalten wie das deutsch-französische längst schon ist. Die umstrittene Bundesstiftung zum Gedenken an die Vertreibungen sei ein Beitrag dazu, sagte der Minister in Warschau. »Wir werden alles unterlassen, was diesem Gedanken entgegensteht.»
Das heißt: Westerwelle ist dagegen, dass die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, Mitglied im Beirat der Bundesstiftung werden kann. Wie recht der neue Außenminister damit hat, zeigte sich an Steinbachs unverschämter Reaktion. Sie warf ihm vor, »Vertrauen zu anderen Ländern durch Opfergaben zu Lasten eigener Bürger oder Organisationen erkaufen« zu wollen. Im Klartext: Frau Steinbach sieht den Außenminister ihrer eigenen Koalition als eine Art Landesverräter, weil der ihr nicht zutraut, den Posten satzungsgemäß auszufüllen.
Guido Westerwelle hat offenbar erkannt, dass es höchste Zeit ist, die deutsche Erinnerungskultur endlich aus der Geiselhaft dieser Frau zu befreien. Es sieht so aus, als würde er standhaft bleiben: Es sei verständlich, dass Steinbach in Polen auf Ablehnung stoße, weil sie 1990 gegen die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze gestimmt habe, konterte Westerwelle Steinbachs Attacke trocken.
In Wahrheit ist Frau Steinbach längst nicht nur den Polen, sondern auch vielen hierzulande schwer als Versöhnerin vermittelbar. Beim diesjährigen Pfingsttreffen ihres Vereins hat sie wieder einmal erklärt, die Vertriebenen seien für Hitler in »Kollektivhaftung« genommen worden. Sie wüssten darum »elementarer als andere«, dass Hitler »die Büchse der Pandora« geöffnet habe. »Elementarer« als die Polen, deren Land ausgelöscht werden sollte?
Dass Frau Steinbach ihre Klientel immer wieder in eine Konkurrenz um den Opfer­status rückt, ist auch vielen Vertriebenen und deren Nachkommen unerträglich. Denn es gibt zum Glück länger schon eine große Bereitschaft, sich mit den deutschen Opfern vorbehaltlos zu beschäftigen – auch in Polen, Tschechien und Ungarn. Die Europäisierung der Erinnerung an Flucht und Vertreibung hat begonnen, nicht zuletzt durch den persönlichen Einsatz vieler Vertriebener. Doch Erika Steinbach tut immer noch so, als müsse sie eine gefühlstaube Welt darüber belehren, dass auch Deutsche gelitten haben. Dass es ein innerer Widerspruch ist, selbstherrlich und schneidend aufzutreten, wenn man als Opfer anerkannt werden will, hat sie nie verstanden.
Anfang des Jahre sah es anders aus: Als die BdV-Präsidentin im März vorerst darauf zu verzichten schien, einen Sitz in der Stiftung anzustreben, ist ihr viel Respekt zuteil geworden. Endlich schien eine Deeskalation möglich: Man dachte, sie stelle die Verwirklichung des »sichtbaren Zeichens« zum Andenken an das Leid der Vertriebenen über ihr persönliches Interesse. Jetzt zeigt sich, dass dies nur Taktik war. Steinbach wusste, dass die Sozialdemokraten im Kabinett ihre Berufung verhindern würden. Sie hoffte, der kleinere Partner in der neuen schwarz-gelben Regierung werde sich fügen und ihr ins Amt helfen.
Da war es allerdings eine Torheit, dass sie beim Pfingststreffen Verständnis dafür zeigte, dass die Ostpolitik von den Vertriebenen als »Verrat« denunziert wurde. Neben Willy Brandt waren dafür nämlich auch Walter Scheel und sein Nachfolger Hans-Dietrich Genscher verantwortlich. Nun muss Frau Steinbach zur Kenntnis nehmen, dass der neue liberale Außenminister das Bekenntnis zur Entspannungspolitik ernst meint.
Wie ernst, wird sich an seiner Standfestigkeit in der Causa Steinbach zeigen. Von der Bundeskanzlerin kann er stille Unterstützung erwarten. Angela Merkel hat in ihrer Danziger Rede zum deutschen Überfall auf Polen klargestellt: »Kein Land hat so lange unter deutscher Besatzung gelitten wie Polen.« Sie stellte deutsches Leid in den Zusammenhang der »Verantwortung Deutschlands, die am Anfang von allem stand«. Solche Worte machen es den Polen leichter, des an Deutschen begangenen Unrechts zu gedenken.
In den kommenden Tagen wird der Bund der Vertriebenen entscheiden, ob man Steinbach nominiert. Der BdV steht am Scheideweg: Was ist wichtiger – die Profilierung Erika Steinbachs oder die wachsende Empathie unserer Nachbarn auch für deutsche Opfer?

p.s.: Eine persönliche Note. Dies hier ist das Haus meiner Familie väterlicherseits. Es steht in Gorna Grupa (Obergruppe) bei Grudziaz (Graudenz) an der Weichsel. Es war einmal ein Dorfgasthof. Heute sind darin ein Kulturzentrum und ein Kaufladen untergebracht. Niemand kann sich an meine Oma oder meinen Vater und seine Geschwister erinnern. Oder niemand möchte es zugeben. Es war gut, das zu sehen bei unserem Polen-Urlaub in diesem Jahr. Erstaunlich, wie ähnlich die Gegend derjenigen ist, in der mein Vater, der Vertriebene, heimisch wurde (im äußersten Westen Westdeutschlands). Einen kleinen Stich hat’s mir schon versetzt. Aber dann war es auch gut. Ich bin auf der glücklichen Seite des Kalten Krieges aufgewachsen. Ich liebe Westpreussen und werde sicher wiederkommen. Heimat ist woanders.

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Seit DIESEM SPEZIELLEN Tag sind nun 20 Jahre vergangen. Eine Generation. Die Welt hat sich verändert. Europa ist zusammengewachsen (politisch und ökonomisch). Deutschland ist „einig Vadderland“. Und es wird heute in Berlin gefeiert – sehr international.

Altkanzler Kohl war in Polen, Kanzlerin Merkel in der Sauna. Nicht sie haben die Mauer umgeworfen: es war das Volk – „Wir sind das Volk“! Die Euphorie war riesig, noch größer die Ängste. Margaret Thatcher war zornig, die Polen erschrocken, Franzosen misstrauisch. Das Rad der Geschichte wälzte aber weiter – und es ist auch gut so!

Noch nie in  der neuzeitlichen Geschichte waren die deutsch-polnischen Beziehungen so gut, wie in der letzten Dekade. Es gab natürlich Höhen und Tiefen, auch heute sind manche polnischen (und deutschen) Politiker voller Missgunst, um nicht zu sagen: Hass. Die Kaczyńskis und ihr Gefolge in meinem Land, die NPD und Frau Steinbach im Land westlich der Oder. Aber das wichtigste ist geschehen – das „ewige Eis“ zwischen den Völkern begann zu bröckeln, wahrscheinlich schon 1989 – und heute ist diese so positive in diesem Aspekt „Klimaerwärmung“ schon sehr weit fortgeschritten.

Lech Wałęsa wird an der heutigen Feier zu Berlin eine der Hauptrollen spielen – ein Mensch der Symbolik und der Kontroverse. Die Anerkennung seiner Rolle und der Rolle der Polen in der friedlichen Abschaffung des Kommunismus wird in Polen mit Beifall begrüßt. Ein Schritt mehr auf dem schmalen Grat der Versöhnung. Der längst fälligen Aussöhnung miteinander, mit der gemeinsamen Geschichte, mit den Geistern der Vergangenheit. Denn ist es einfacher, eine Mauer aus Stein und Beton zum Fall zu bringen, als die Mauern in den Köpfen zu zerbröckeln. Doch auch diese werden bald fallen, nicht so spektakulär, wie die Berliner Mauer, aber umso deutlicher. Das geschieht schon unter den jüngeren Generationen. Und das ist gut so!

Auf dem Wege der Vereinigung, der noch lange nicht abgeschlossen ist, wünsche ich meinen Freunden (und Feinden) aus Deutschland ein gutes Gelingen!

Dieser Beitrag erschien mir sehr interessant, somit wollte ich ihn hier, auf dem Blog „verewigen“ – für mich und für die, die ihn in der Internet-Ausgabe der Zeitung nicht gelesen haben. Um aber nicht gegen das Urheberrecht zu verstoßen, wandte ich mich an die F.A.Z.-Redaktion um eine Genehmigung. Auf mein Ersuchen bekam ich eine folgende Antwort:

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Mit besten Grüßen

Nun sind die Preise aus der Preisliste nicht grad’ erschreckend: Für die Veröffentlichung des Beitrags hätte ich zwischen €40,- und €235,- zahlen müssen und ich hätte die Chance, einen Nachlass von 50% zu bekommen.

Da aber dieser Blog mir in keinsterweise einen Verdienst beschert, eher einer Art Dokumentation dient – sehe ich es nicht ein, dass ich diese Beiträge zahle. Ich denke mir, in diesem Fall reicht ein Link, der zum Original führt. Und hoffe, dass dieses nicht gebührenpflichtig ist…

Den Beitrag finden Sie also HIER

Ein paar Eindrücke aus dem Bober-Katzbach-Gebirge (Góry Kaczawskie) – Spaziergang um Flachenseiffen (Płoszyczna).

Der Tag des offenen Denkmals ist Teil der „European Heritage Days„, die unter der Schirmherrschaft des Europarats stehen und mittlerweile in allen europäischen Ländern im September stattfinden. 2009 sind es der 12./13. und 19./20. September. Im Hirschberger Tal öffnen am diesen Tag so gut, wie alle kulturelle und architektonische Objekte ihre Türen. Ein detailliertes Programm der Veranstaltungen (leider nur in polnisch) ist HIER im PDF-Format zu finden. An dem Tag kann man den Restauratoren über die Schulter schauen, archäologische Ausgrabungsstätten erkunden, die sonst verschlossenen Kellergewölbe einer Burg (Schwarzbach) oder des Klosters Lubiąż (Leubus) bestaunen… Vielerorts warten Sonderführungen, Schauvorführungen und bunte Rahmenprogramme auf die Besucher.

Aus der breiten Auswahl der Veranstaltungen hab ich mir eine heraus gepickt – die auf dem Bolzenschloss oberhalb Groß-Jannowitz (Landeshuter Kamm). Am 12.09., am Samstag, geht dort „die Post ab“:

Seid willkommen und überzeugt Euch, wie der Alltag im Mittelalter ausgesehen hat! Nehmt an den alltäglichen Abläufen teil, feiert mit uns, wie es in den alten Zeiten war! An diesem Tag wird Euch die mittelalterliche Gruppe Cornu Cervii aus Seiffershau (Kopaniec) unterhalten, auch eine Abteilung des Hussiten-Fußvolkes ist dabei. Im Schloss könnt ihr die mittelalterlichen (allerdings frisch zubereiteten) Speisen probieren und einen traditionellen, kräftigen Schluck zu sich nehmen. Verschiedene Spiele und Wettbewerbe begleiten Euch durch den ganzen Tag, auch Tanz und Gesang sind angesagt!

Vorgeführt werden auch die alten Handwerke und am Abend gibt es ein riesiges Lagerfeuer – und die Darstellung eines Hussiteneinfalls auf die Burg. Natürlich ist der Eintritt frei, doch während der Veranstaltung werden Spenden gesammelt. Sie sollen bei der Erhaltung und teilweiser Restaurierung der Burg helfen.

Soviel der Veranstalter (Verein „Die Einwohner für die Gemeinde“). Anbei noch ein paar Fotos aus dem Bolzenschloss (Frühsommer 2009).


Ausgewählte Internetseiten zum Thema:
Kopaniec (Seiffershau) – polnisch
Cornu Cervii (Fotogalerie)
Hussiten (PDF)

„Janz frisch“ eröffnet in Staniszów (Stonsdorf): „Pałac na Wodzie“ („Schloss auf dem Wasser“)…

Logo

Residenz Stonsdorf

Es gibt nur wenige Urkunden, die das Dominium in Nieder-Stonsdorf betreffen. In den Akten finden wir den Namen Heinrich von Reibnitz, der 1620 Mittel- und Nieder-Stonsdorf von den Erben Jeremins von Plannitz gekauft haben soll. Anfang des 18. Jahrhunderts verkauften die Reibnitzs die Länderei einem Berhnard Benito Mohrenthal.

Das Schloss liess Heinrich von Reuss errichten, bis Ende des 19. Jh. verblieb es im Besitz dieser großen Familie.

Nun bietet das Schloss eine gepflegte Küche im stilvollen Restaurant – ab September 2009 soll es auch 12 Hotelzimmer geben – alles zu einem sehr vernünftigen Preis. Somit hat das kleine Stonsdorf nun zwei Schlösser, in den man gepflegt speisen und bald auch wundervoll ausruhen kann…

Stonsdorf-Staniszów

Stonsdorf-Staniszów

Ganz frisch zum Thema: reisenews-online.de

Unser Wandergeist führte uns diesmal weit weg vom Riesengebirge, in die nördlichen Täler des Bober-Katzbach-Gebirges: nach Falkenhain (Sokołowiec), Probsthain (Proboszczów), auf den Probsthainer Spitzberg (Ostrzyca Proboszczowicka) und weiter nach Lähn.

Das Ziel war der schönste Basaltgipfel Niederschlesiens (501 m Meereshöhe), mit einer wundervollen Panorama des Bober-Katzbacher Vorgebirges und des Riesengebirges, aber auch der Täler. Der Basaltkegel ragt etwa 150 m. über das Flachland hervor.

Die Aufnahmen entstanden in Falkenhain, Probsthain, auf dem Probsthainer Spitzberg und in Lähn.

Sehr interessant ist die Probsthainer Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, ehemalig eine evangelische Fluchtkirche, mit gut erhaltenen Grabsteinen aus der alten Zeit.

Medaille mit Fluchtkirche Probsthain

Medaille mit Fluchtkirche Probsthain

Geographische Lage des Probsthainer Spitzberges

Geographische Lage des Probsthainer Spitzberges

Es war August des Jahres 1901 – Gerhart Hauptmann zog in seine wundervolle, grad 18 Monate lang gebaute Villa Wiesenstein in Agnetendorf ein. Zwar kam das „große Geld“ erst 11 Jahre später (1912 bekam er den Nobelpreis), das Haus Wiesenstein aber konnte sich der Autor der „Weber“ unter anderem auch dank dem Geld seiner damaligen Lebenspartnerin und späteren Gattin Margarethe Marschalk leisten.

Gestern, nach 108 Jahren nach Hauptmanns Einzug, war also in Agnetendorf, im heutigen „Städtischen Museum Gerhart-Hauptmann-Haus“ zu Hirschberg-Agnetendorf der Tag der offenen Türen. Einen ganzen Tag lang gab es Vernissagen, Konzerte, Auftritte, aber auch des schlesischen Kuchen, regionale Bücher und interessante Gespräche. Bei wundervollstem Augustwetter war es erneut eine sagenhafte Veranstaltung, die einerseits Gerhart Hauptmann popularisiert, andererseits sein ehemaliges Haus (er starb hier 1946) mit neuem Leben ausfüllt. Hier ein paar Bilder vom gestrigen Ereignis.

Turm auf Wiesenstein

Turm auf Wiesenstein

Paradieshalle

Paradieshalle

Wiesenstein02

Haus Wiesenstein

Konzert

Konzert

Pippa

Pippa

Norsk Pavillon

Vor einhundert Jahren – und einer Woche genau – wurden in Warmbrunn (ohne den Zusatz „Bad“ damals noch) der Füllner-Park und das sich darin befindende, nordisch gestylte Blockhaus geöffnet.  Der unterstehende Fragment stammt aus dem Beitrag Herrn Raimund Wolfert „Duplikate im Drachenstil„.

Museum für Naturkunde

Bauwerke im norwegischen Drachenstil zeichnen sich in der Regel durch horizontal aufeinander liegende massive Baumstämme aus, die auf einem Naturstein- oder Bruchsteinsockel ruhen. Meist sind sie dunkelbraun gebeizt. Die Einzelgebäude der im Drachenstil angelegten Ensembles stehen in einem rechten Winkel zu einander, und sie weisen oft überdachte Laubengänge auf, die offen um das Haus angelegt sind. Das zweite Geschoss ist nach dem Muster älterer norwegischer Vorratsspeicher meist vorkragend. Am markantesten sind indes die dekorativen Verzierungen an den Giebelseiten und Dachabschlüssen der Gebäude sowie die Tür- und Fensterverkleidungen. Hier schmücken oft Drachenköpfe oder ineinander verschlungene Drachenkörper die Bauwerke. Sie sollen die bösen Geister abschrecken und das in ihrem Schoß befindliche Gebäude vor Unheil schützen. Die plastische Drachenornamentik fand auch im Inneren der Räume Anwendung.Erstaunlich ist, dass in diesem Zusammenhang der Norwegische Pavillon im schlesischen Bad Warmbrunn noch so gut wie keine Aufmerksamkeit erhalten hat, obwohl auch er das Duplikat einer der berühmtesten Arbeiten Hansen Munthes ist. Sein Vorbild ist für viele das Paradebeispiel für den in seiner Zeit populären Drachenstil schlechthin. Das 1891 errichtete Restaurant Frognerseteren erhebt sich noch heute auf 435 Metern hoch über die norwegische Hauptstadt und erfreut sich nicht nur bei den Einwohnern Oslos, sondern vor allem bei Touristen aus allen Teilen der Welt größten Zuspruchs.

Als der weitgereiste Industrielle Eugen Füllner (1853–1925), seinerzeit Besitzer einer Warmbrunner Papiermaschinenfabrik, dieses Gebäude während eines Besuchs in Norwegen sah, war er so begeistert von ihm, dass er beschloss, ein Duplikat im heimatlichen Schlesien errichten zu lassen. 1909 wurde es der Öffentlichkeit übergeben, und bis in die fünfziger Jahre hinein diente es wie sein Osloer Zwillingsbau als Restaurant.Die Geschichte des Norwegischen Pavillons in Warmbrunn begann jedoch schon drei Jahre vor seiner Eröffnung, und wieder war der deutsche Monarch mit von der Partie, wenngleich auch nur indirekt. Am 27. Februar 1906, dem Tag der silbernen Hochzeit Kaiser Wilhelms II. und seiner Gattin, der Kaiserin Auguste Viktoria, gab Füllner bekannt, er wolle den Einwohnern Warmbrunns einen öffentlichen Park stiften. Zu diesem Zwecke erwarb er bislang brachliegende Ländereien oberhalb seiner Fabrik am rechten Ufer des Flusses Heidewasser.(…)

Eugen Füllner entschied 1906, dass drei Hektar des von ihm erworbenen Landes für den Bau einer Wohnsiedlung für die Arbeiter seiner Fabrik dienen sollten, die übrigen 15 Hektar wies er als zukünftigen Park aus. Den ausgeschriebenen Wettbewerb zur Parkgestaltung gewann der Breslauer Landschaftsarchitekt Fritz Hanisch. Er wurde auch mit der Leitung der Erdarbeiten beauftragt, die noch im selben Herbst begannen. Es wurden zwei Teiche und Wege von insgesamt knapp 10 km Länge angelegt, zahlreiche Bäume wurden gepflanzt sowie Bänke, Lauben und Wegweiser aufgestellt. Im Laufe der Arbeiten verfestigte sich auch die Idee eines zentralen Pavillons, der den Spaziergängern als Raststätte dienen sollte, und hier gab schließlich Füllners Begeisterung für das Osloer Restaurant Frognerseteren den Ausschlag. Anhand der Originalbaupläne, die der norwegische Architekt Einar Smith (1863–1930) vermittelte, errichteten örtliche Firmen ein Zwillingsgebäude des Frognerseteren an einer Stelle, von der aus eine schöne Aussicht auf das Panorama des Riesengebirges gewährt war.

Für den Bau wurden ausschließlich einheimische Handwerker beschäftigt, und es wurde lediglich Baumaterial aus Schlesien verwendet. So stammte der Granit für die Terrasse aus dem Riesengebirge, und für das Blockhaus wurden nur Fichten in der näheren Umgebung gefällt. Das Fundament führte die in Warmbrunn ansässige Firma Karl Ansorge aus, und den hölzernen Aufbau errichtete die örtliche Zimmerei Paul Ansorge. Die Innenausstattung besorgte die Holzschnitzschule Warmbrunn, die zu ihrer Zeit ein Mittelpunkt des kunstgewerblichen Schaffens am Rand des Riesengebirges war. Auf sie gehen auch die profilierten Enden der Dachbalken sowie die Giebeldrachen am äußeren Gebäudekörper zurück. Am 18. Juli 1909 erfolgte die offizielle Einweihung des Pavillons und des ihn umgebenden »Füllner-Parks«, und fortan erinnerte auch eine Inschrift an der südlichen Seite der Terrassenmauer an die Entstehungsgeschichte des Bauwerks. Diese Inschrift ist heute jedoch nicht mehr erhalten.

Am 18. Juli 2009, also auf den Tag genau 100 Jahre nach der Eröffnung des Restaurants, wurde eine an der Terrassenmauer befestigte, neue Gedenktafel enthüllt.

Füllner 0

Füllner Tafel

E-Z1 AltDas königliche Schloss, der Park und die Königsstraße in Erdmannsdorf-Zillerthal bei Hirschberg (Schlesien) werden von Grund auf restauriert. Der Gemeinderat will auf diese Weise die königliche Episode zur Promotion der Touristik nutzen.
Im Herbst 1832 wurde das Dorf vom preußischen Herrscher Friedrich Wilhelm III. gekauft. Hier richtete er seine Sommerresidenz ein. Später weilte hier sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV. Bis heute gibt es in Mysłakowice (ehem. Erdmannsdorf-Zillerthal) zahlreiche Überbleibsel aus der Zeit der preußischen Könige, wie die Säulen aus Pompei am Eingang der Kirche (Baumeister: K. Schinkel), die ein Geschenk des Königs von Neapel sind.

E-Z1 FassadeFassade des Schlosses heute

Doch befinden sich das Schloss und vor allem der Park in einem schlechten Zustand. Die königlichen Zimmer wurden in Klassenzimmer umgewandelt und aufgeteilt, seit über 50 Jahren beherbergt das Schloss die örtliche Grundschule. Auch im Park muss sehr viel getan werden. Der Vogt der Gemeinde Zdzisław Pietrowski träumt davon, dass die Residenz den alten Glanz wieder bekommt und – zum Beispiel – als ein Luxushotel dient: „Wir führen Gespräche mit 3 Investoren. Wir wollen, dass der Investor der Gemeinde eine neue Schule baut, dafür übergeben wir ihm das Schlossgebäude“, erklärt Pietrowski. In Kürze beginnen die Arbeiten an der Revitalisierung des Parks. Wiederhergestellt werden 3,5 ha. der Anlage, samt Kaskaden, die ehemals beide Parkteiche verbunden haben. Fertig ist auch das Projekt der Wiederbelebung des Königswegs, der die Residenzen des Adels im Hirschberger Tal verbunden haben: Stonsdorf, Fischbach, Lomnitz und Buchwald. „Geplant ist eine Strecke, die einen Rundgang der zu den Schlössern und Herrenhäusern fuhrt erlaubt. Auf der Strecke sollen sich dann 15 Aussichts- und Erholungspunkte befinden“.

E-Z1 Blick vom Turm

Aussicht vom Turm

E-Z2 Treppe Innen

Treppenhaus innen

E-Z1 KirchenturmDer Turm der Schinkel-Kirche

Schinkel-Kirche Innen

Schinkel-Kirche Innen